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Es war einmal …

Kaum zu glauben, dass es schon 6 Jahre her ist. 6 Jahre, in denen ich gelacht, geweint, gezweifelt habe und verzweifelt war, mir Träume erfüllt habe und mir Träume zerstört wurden, in denen ich gelitten, geliebt und gelebt habe.

Ich möchte dir heute erzählen, wie mein Weg ausgesehen hat und wie ich zu dem gekommen bin, wer ich heute bin.

2012 habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, super naiv und ohne irgendwelche Zweifel zu haben. Treu dem Motto "Augen zu und durch".

©️Björn Liebsch

Wahrscheinlich lag es auch einfach an meinem Alter. Man sagt doch: Je älter man wird, desto mehr schwindet die Risikobereitschaft. Ich war gerade erst 22 Jahre alt geworden. Blutjung und ohne ein Hauch von Ahnung, was da eigentlich auf mich zukommen wird.
Das Einzige, was vom ersten Tag meiner Ausbildung zur Friseurin feststand war, dass ich mich definitiv selbstständig machen wollte.

Es war für mich schon immer sehr schwierig den Friseurberuf so zu nehmen wie er ist. Schon während meiner Ausbildung wurde der Wunsch nach Veränderung größer und größer. Der Beruf musste in meinen Augen neu gestaltet werden. Das erste Jahr meiner Ausbildung war alles andere als leicht für mich und hat mich, vermutlich gerade deshalb, enorm geprägt. Ich glaube, dass genau diese Erfahrungen, so negativ sie auch waren, mich am Ende auf den richtigen und meinen heutigen Weg gebracht haben. Nach nur einem Jahr in meiner Ausbildung wechselte ich den Betrieb und hatte sehr großes Glück, die restlichen 2 Jahre eine hervorragende Ausbildung genießen zu dürfen. Mit Erfolg, da ich diese 2011 als Innungsbeste abschloss. Direkt im Anschluss begann ich die Ausbildung zur Meisterin im Friseurhandwerk. Während dieser Ausbildung hatte ich viel Zeit mich mit meiner zweiten Leidenschaft auseinander zu setzen: dem Maskenbild. Es war mein großer Traum, nach der bestandenen Meisterprüfung, eine zweite Ausbildung zur Maskenbildnerin zu absolvieren. Somit bereitete ich mich sehr ehrgeizig darauf vor.
Leider scheiterte dieser Traum an den finanziellen Mitteln. Die Schule kostete knapp 30.000 Euro, die ich damals, so sehr ich es versuchte, leider nicht aufbringen konnte.
Schon während der Ausbildung zur Friseurin lag mein Gehalt bei nur knapp 300-500 Euro im Monat (einer von vielen Punkten, die sich dringend ändern müssten). Abzüglich aller Fixkosten, blieb so gut wie nichts. Der Wunsch, diese Ausbildung machen zu können, stellte sich dadurch als unerfüllbar heraus. Das festzustellen, hat mir im ersten Moment den Boden unter den Füßen weg gerissen. Aber ich schaffte es, mich wieder aufzurappeln und beendet meine Meisterausbildung und deren Abschlussprüfung mit Bravour.

Also stand die Gewerbeanmeldung vor der Tür und so kam es, dass ich mit nur 22 Jahren mein Unternehmen gründete.
Ich habe erst mobil gearbeitet, fuhr also mit dem Auto zu meinen Kunden nach Hause, weil ich mir niemals vorstellen konnte, einmal einen Friseursalon wie alle anderen zu besitzen. Die Vorstellung hat mich in meiner Kreativität so sehr eingeschränkt, dass es für mich einfach nicht in Frage kam.
Durch das mobile Arbeiten konnte ich sehr flexibel sein. Ich habe nicht nur als reine Friseurin gearbeitet, sondern konnte meine selbst erlernten Make-up und Stylingkenntnisse bei verschiedenen freien Jobs mit einbringen. Bei diesen Jobs habe ich erstmals die volle Ladung Oberflächlichkeit der Branche kennengelernt. Wir arbeiteten knapp 18 Stunden täglich und es ging den ganzen Tag um ganz viel: um das eigene Aussehen und das der anderen, die verschiedenen Makel, mit denen man mehr oder weniger zurecht kam, um viel Geld… Um eines ging es irgendwie nie: Um die Menschlichkeit.
Mir war schnell klar, dass das nicht meine Welt war.

©️Björn Liebsch

Somit konzentrierte ich mich wieder mehr auf die Friseurarbeit und übernahm bei kleinen Shootings das Make-up. Zu meiner großen Freude schaffte ich es sogar, das Maskenbild immer mal wieder an bestimmten Tagen im Jahr, z.B. zu Halloween, ausüben zu können

©️Björn Liebsch

Es dauerte nicht lange, bis ich zu einem Punkt kam, an dem ich jeden Kunden annahm, der bei mir anfragte.
Je voller der Kalender wurde, desto mehr verfestigten sich meine Ängste davor, zu versagen oder mein Unternehmen in den Ruin zu treiben.
Aus heutiger Sicht waren meine Ängste völlig unberechtigt. Damals hatte ich noch nicht die Erfahrung, die ich heute habe und begann, mich völlig zu verrennen. Ich habe mich mehr und mehr übernommen und mich so selbst verloren.
Ich kann mich noch genau an eine Situation erinnern, die mir heute wie eine grelle Leuchtrakete vorkommt. Eine Leuchtrakete, auf die ich meinen Blick hätte richten müssen, um zu erkennen wie falsch es lief. Es war ein Sonntagmorgen und ich habe mich wie jeden Sonntag auf die Arbeit vorbereitet. Bei mir war jeder Tag wie der andere. Kein Wochenende, keine Freizeit. Kein Privatleben. Keine Laura. Nur Friseurin sein.
Meine Kundin erschien einfach nicht. Darüber war ich sehr sauer und ich fragte mich, was ich denn jetzt tun könnte. Mein Freund sagte: „Lass' uns was essen fahren und ein wenig in den Tag hinein leben.“ Ich dachte echt, der spinnt. Ich bin total ausgeflippt und meine Antwort war: „Denkst du ernsthaft ich mache mir heute frei, NUR um essen zu fahren und in den Tag hinein zu leben?“ – und suchte mir stattdessen eine Aufgabe, durch die ich dann doch arbeiten konnte.
Ich habe dafür heute natürlich kein Verständnis mehr, aber so war ich damals und DAS kann eine Selbstständigkeit mit einem machen, wenn man nicht aufpasst und die Leuchtraketen weder sieht noch wahrnimmt. Und weil ich es nicht tat, kam es noch schlimmer.

2016 war das schwärzeste Jahr in meinem Leben. Der Stress und die daraus folgende unfassbar schlechte Ernährung und der wenige Schlaf haben mich sehr krank gemacht. Die Einnahme von Medikamenten (Schlafmittel, ohne die ich gar nicht mehr runterkam) taten ihr Übriges.
Ich bekam plötzlich unerträgliche Schmerzen hinter den Augen, mein Ruhepuls lag bei 140-170 OHNE Bewegung, meine Muskeln bauten sich ab und mein Gewicht lag bei 46 Kilo. Zum Schluss war ich nicht mal mehr in der Lage die Treppe hinauf zu steigen. Da einfach krank sein keine Option war, kämpfte ich mich mit 800 Ibu und Betablocker täglich durch meinen Arbeitsalltag und arbeitete, um es mir etwas leichter zu machen, von Zuhause aus. Meine Gesundheit erholte sich einfach nicht. Meine Augen entzündeten sich und traten hervor. Nach langem Hin und Her und vielen falschen Diagnosen kam dann der eindeutige Befund: „ Morbus Basedow und endokrine Orbitopathie.“ Der damals behandelnde Arzt sagte zu mir: "Sie müssen sich darauf einstellen, dass Sie Ihre Schönheit verlieren und vielleicht sogar entstellt sein werden. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit eine Familie zu gründen gleich null." Für mich tat sich ein großes schwarzes Loch vor mir auf, in das ich einfach hineinstürzen wollte. Für mich war mein Leben am Ende! Für einen kurzen Moment trug ich keinerlei Hoffnung in mir.
Es war ein langer Weg herauszufinden, was meine Krankheit ausmachte und wie man sie und ihre Symptome behandelt. In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich darauf noch genauer eingehen und dir mehr im Detail darüber berichten, wie ich dem ganzen trotzen konnte.

Wichtig zu wissen ist aber, dass ich ein Jahr lang KEINE Glücksgefühle mehr spürte und dadurch große Probleme mit mir selbst entwickelte. Aber ich schaffte es und grabbelte aus meinem dunklen Loch wieder hervor. So schlimm diese Zeit auch für mich war, heute bin ich dankbar dafür. Niemals hätte ich zu dieser wunderbaren Einstellung gefunden, welche mir heute noch sehr hilft: Alles Schlechte hat auch immer etwas Gutes und so groß die Steine auch sind, die einem auf den Weg geworfen werden, es gibt immer eine Möglichkeit über sie hinwegzukrabbeln. Manchmal ändert sich der Weg dadurch. Aber immer geht er weiter.

Mein Weg änderte sich dadurch. Denn auch wenn es mir half, von zu Hause aus zu arbeiten, wurde es irgendwann jedoch zu

©️Julia Heise

einer großen Belastungsprobe für meine Beziehung. Denn unsere Wohnung wurde mehr und mehr zu einem Salon. Ein Privatleben fand dort kaum noch statt. Das war dann der ausschlaggebende Punkt, ein Atelier zu eröffnen.
Etwas, das ich nie vor hatte und dann letztlich doch einer der besten Entscheidungen meines Lebens war. Zwei Wochen später entdeckte ich in meinem Heimatort einen kleinen Zettel: „Ladenlokal zu vermieten“. Es war wie für mich gemacht und innerhalb der nächsten zwei Wochen war alles unter Dach und Fach.
Nach ein paar Wochen Grundsanierung war dann das Atelier geboren. Trotz Krankheit und den damit verbundenen Existenzängsten hat es sich in jeder Minute richtig angefühlt.

In meinem Atelier, das ich bewusst nicht Salon nannte, erschaffte ich meine eigene kleine Friseurwelt, in der ich alles verbinden kann und konnte, was mir wichtig ist und was mich ausmacht.
Eine besondere kleine grüne Welt, über die ich noch ausführlicher berichten werde.
Laura’s grüne Welt.

©️Julia Heise

Würde ich die letzten 6 Jahren anders gestalten wollen, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte?
Das kann ich klar mit Nein beantworten. Denn so schwer und schmerzlich es manchmal auch war. Jeder Tag war nötig um heute da zu sein, wo ich nun stehe. In meinem Atelier, das ich mir schöner nicht vorstellen könnte und einem Konzept, das den Friseurberuf nicht nur revolutioniert sondern auch viel besser macht.
Wege entstehen, während man sie geht. Und ich bin gegangen. Manchmal mit kleinen, stolpernden Schritten. Manchmal bin ich regelrecht gerannt.
Und immer war ich dabei von lieben Menschen umgeben, die mich auf meinen Wegen unterstützt haben, wofür ich unglaublich dankbar bin.

Wenn also einmal ein großer Stein vor dir auf deinem Weg liegt, dann denk doch an mich und daran, dass alles Schlechte auch immer etwas Gutes hervorbringen kann.
Dann nehmen wir uns an die Hand und krabbeln gemeinsam darüber. ;)

#fürmehrfüreinanderstattgegeneinander

Deine Laura